Der Hafen der Ehe hat Pfarrerin Erika Schlatter-Ernst (50) endgültig in der Weststadt ankern lassen. Am Sonntag [19.10.2008] wurde sie offiziell ins Amt eingeführt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Steffi Gauger will sie alles daransetzen, dass aus der Paul-Gerhardt-Gemeinde und der Erlöserkirche eine echte Einheit erwächst.
Eine Unbekannte ist Schlatter-Ernst schon lange nicht mehr. Seit November 2006 ist sie Seelsorgerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde, als Krankheitsvertretung für Pfarrer Rupprecht Stiefel. Aus der 50-prozentigen Zwischenlösung wird jetzt eine feste Institution von 75 Prozent, von der die 50-Jährige meint: "Vieles wird sich nicht ändern."
Sie setzt auf Wandel in der Kontinuität. Deshalb ärgert sie manchmal die Mutlosigkeit der Gemeindemitglieder. "Durch das Zusammengehen mit der Erlöserkirche hat die Paul-Gerhardt-Gemeinde doch nicht aufgehört zu existieren", betont sie, "Sie lebt weiter, nur in anderem Rahmen."
Das gelte es mit neuem Leben zu füllen, ruft sie die 3700 Gemeindemitglieder auf. Um das zu bekräftigen, will sie auch in Zukunft das Gemeindeleben über die Kirchengrenzen hinweg stärken. Mit einem wöchentlichen Gottesdienst für alle Weststadtkinder, mit dem regelmäßigen Gemeindeessen für alle Generationen, mit dem gemeinsamen Konfirmandenunterricht, mit dem Osterfrühstück in der Kirche. Ihr Plan ist, aus den verschiedenen Grüppchen eine Art generationsübergreifende Großfamilie zu schmieden.
Schlatter-Ernst weiß, wie eine Patchwork-Familie funktioniert. Als verwitwete Mutter von vier Kindern heiratete sie vor ein paar Wochen Gehard Ernst, Vater von drei Söhnen.
geboren ist Schlatter-Ernst 1958 in Schwäbisch Hall, ihr Abitur machte sie in Tuttlingen, studierte Theologie in Tübingen und Heidelberg. Von 2000 an war sie sechs Jahre lang Pfarrerin in Benningen, zuletzt war sie auch noch für die RegionalpfarrstelleAsperg, Möglingen und Tamm zuständig.
Es kommt ihr recht, dass sie jetzt ihr hauptamtliches Arbeitpensium um ein Viertel zurückschrauben kann. Denn sie ist in der Gesprächskreisleitung - eine Art Fraktionsvorstand - der Landessynode, sitzt dort auch im Rechtsausschuss. "Auch das kostet Zeit und Aufwand."
"Ich hatte Zeit, die Menschen hier kennen und schätzen zu lernen", sagte Schlatter-Ernst. Besonders mag sie deren Offenheit und dass sie ohne großes Zutun gelebte kirche am Laufen erhalten.
"Jetzt bich auch ich hier angekommen, um sesshaft zu werden." In einer Kirche, die sie wegen ihrer "schlichten Helligkeit" so sehr mag.
aus: Ludwigsburger Kreiszeitung, 191. Jahrgang, Nr. 248 vom 23. Oktober 2008 - Artikel von Thomas Faulhaber